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Der Mensch ist ein Wesen für Gemeinschaften

Es ist dem Menschen angeboren, statt als Einzelkämpfer durch's Leben zu gehen, sich liebend gern Gemeinschaften anzuschließen. In die erste Gemeinschaft seines Lebens wird er hineingeboren - die Familie. Jedenfalls sollte es im Normalfall so sein, auch hier hat die moderne Gesellschaft ja einige krude Auswüchse, wie z.B Leihmutterschaft oder Kinderhandel, hervorgebracht. Im Falle einer gut funktionierenden Familie gibt es auch später im Leben keinen wirklichen Grund, diese zu verlassen. Man erweitert einfach den Rahmen dessen, was man als Gemeinschaft sieht.

Sehr perfide Methoden, Menschen in eine Gemeinschaft zu bringen oder darin zu halten, sind heute an der Tagesordnung. Durch unterschwellige, stetige Manipulation wird sogar Menschen, die sich in einer Gemeinschaft unwohl fühlen, der Ausstieg aus dieser erschwert bis unmöglich gemacht.

Über der Familie steht das Dorf. War es früher normal, daß jemand, der mit dem Dorfleben nicht mehr zurecht kam, dieses in Frieden verließ und sich eine andere Gemeinschaft suchte, so fordert das falsche Demokratieverständnis heute von einem Außenseiter, sich der Denkweise der Mehrheit unterzuordnen. Jegliche Kreativität, die nicht in die Denkweise der anderen paßt, wird gnadenlos unterdrückt und wenn dieser Mensch den Absprung nicht schafft, bleibt er auf der Strecke. Was in der kleinen Gemeinschaft Dorf abläuft, läuft heute noch viel anonymisierter in großen Gemeinden, Städten und ganzen Ländern ab.

Über all dem steht eine vollkommen auf dem Kopf stehende Vorstellung davon, wer etwas zu sagen hat. Glauben die meisten, der Präsident oder sonstige Führer eines Landes hätte die höchste Macht, so ist es tatsächlich genau umgekehrt. Er ist der Diener aller seiner "Untertanen" und hat nach Außen hin umzusetzen, was diese wünschen.

Aber fangen wir einmal am höchsten Punkt an, dem Dorf bzw. der Gemeinde. Idealerweise sollte die Größe dieser Gruppe 150 Personen nicht überschreiten. So kennt nicht nur jeder seinen Interessensvertreter, sondern auch umgekehrt. Wird die Gruppe zu groß, sollten sich Interessensvertreter für kleinere Gruppen zur Verfügung stellen, die diese direkt vertreten. Entscheidend daran ist, daß diesen Vertretern jederzeit ein Mißtrauen ausgesprochen werden kann, wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Unter dieser höchsten Gemeinschaft befinden sich dann Zusammenschlüsse, um größere geografische Regionen zu vertreten. Auch hier gilt ganz massiv, nicht eine vermeintliche Mehrheit bestimmt über eine Minderheit, sondern im Streitfall werden Möglichkeiten gesucht, ohne eine Partei einzuschränken, gemeinsam nebeneinanderher zu existieren.

Um es mit einem vielleicht blöden, aber dennoch wertfreien, Beispiel zu untermauern, welches hier keine Religionskriege oder sonstige schwerwiegende Dinge entfacht, aber einfach den Kern verdeutlichen soll, ein kleines Beispiel:
In Dorf 1 hat man beschlossen, alle Haustüren müßten blau sein. In Dorf 2 sieht man das sehr locker und läßt jede Farbe zu. Wenn jemand nun unbedingt in Dorf 1 eine rote Haustür haben möchte, dann muß er sich selbst hier als Außenseiter sehen. Anstatt zu kämpfen sollte eine gütliche Lösung gefuden werden, diesen Außenseiter, ohne daß er Verluste erleidet, in Dorf 2 willkommen zu heißen. Die Blauhaus-Türler sollten es nicht als Sieg ansehen, sondern diejenigen, der aus Dorf 2 vielleicht zu ihnen kommen, als Bereicherung sehen und den Umzug so leicht wie möglich machen. Unter dem Strich wären mit minimalen Kosten alle zufrieden.

In den höheren Ebenen, wie z.B. Landkreise, Bundesländer oder die gesamte Republik, kommt plötzlich ein weiteres skurriles Produkt hinzu - die Partei. Nimmt man das Wort für sich, ist es einfach ein Teil, also sollte man denken, eine Teilgruppe, die gleiche Interessen verfolgt. Leider weit gefehlt, denn die Parteien sind in ihren Strukturen so verfahren, daß sie schon lange nicht mehr die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, sondern nur noch einem verfilzten Gedankengut nachjagen, welches kaum noch jemand versteht. Warum muß ein Vertreter einer bestimmten Gruppe in Schleswig-Holstein unbedingt derselben Partei angehören wie ein solcher in Bayern? Regionale Unterschiede und vermutlich komplett andere Interessen der vertretenen Gruppe führen eine solche Zuordnung ad absurdum.

Wir wollen uns gar nicht ausdenken, was auf der "obersten" Ebene der Landespolitik abläuft. Kein Vertreter kann diejenigen kennen, die er vertritt, dafür sind es einfach viel zu viele. Hinzu kommt, daß die sog. Volksvertreter selten in dem Bereich gearbeitet haben, den sie vertreten und regionale Unterschiede erst recht nicht einschätzen können. Sie plappern nach, was die Partei ihnen vorsagt und sind somit alles andere, aber keine Volksvertreter.

Wie sich dieses System heilen kann, wissen wir auch nicht. Hier sind Eure Ideen erwünscht, denn wir wollen uns ja gemeinsam auf diese schöne Zukunft vorbereiten. Eines steht aber unumstößlich fest, es muß von den kleinsten Zellen ausgehen und Familien, Dörfer und Gemeinden müssen ihre Belange als oberste Priorität sehen. Vielleicht ist das seltsamste Konstrukt dieser Erde - Deutschland - hierbei sogar Vorreiter, denn die enorme Zerstückelung bis ins 19. Jahrhundert fördert genau diese kleinen Zellen.